Abschied vom SARIYER

Gemäss der Entscheidung der  Verwaltung Grossstadt-Istanbul, das Tierheim Sariyer zu schliessen, verabschieden wir uns vom Sariyer, für das wir sechs Jahre lang ehrenamtlich gearbeitet haben.

 

Nachfolgend unser Abschiedsbrief über unsere Geschichte:

Im November 1999 haben wir gehört, dass es im Stadtteil Sariyer-Kocatas ein der Gross-Stadtverwaltung Istanbul gehörendes Tierheim vorhanden ist. Als wir dort angekommen waren, konnten wir unseren Augen nicht trauen. In den Zwingern waren es fünfzig Hunde. Sie versuchten das mit blutigem Durchfall ausgeschiedenem Kot und Urin vermischtes Brot aus den Löchern des Betonbodens zu fressen. Wir sahen eine tote Hundemutter. Ihre Welpen versuchten aber immer noch von den Zitzen zu saugen. Wir sahen uns in die Augen und konnten nicht einfach so weggehen und vergessen, was wir gesehen hatten. Zuerst fingen wir damit an, an bestimmten Wochentagen Futter für sie dort hinzubringen. Wir lernten uns immer mehr kennen und je bekannter wir bei den Hunden wurden, umso mehr warteten sie auf uns. Somit gingen wir öfter dorthin. Unsere Bekanntschaft hat sich zu einer gegenseitigen Liebe entwickelt. Je mehr wir sie kennenlernten, desto groesser wurde die Bindung zwischen uns.

Wir fingen mit den Reparaturarbeiten der Zwinger an. Danach vervollständigten wir die Ausstattung der Küche und des Operationssaales. Wir besorgten Kühlschränke, Herde, Töpfe, Geschirr und Kühltruhen. Sämtliche Arbeiten wie Kochen, Reinigung, Ausführen der Hunde usw. erledigten wir selber.

Wir konnten die Menschen, die die neugeborene Welpen, die sehr alte Hunden, an die Tür des Tierheimes anbanden und weggingen, nicht verstehen Die alten verlassenen Hunden konnten trotz unserer Bemühungen nicht überleben, weil sie das Verlassenwerden nicht überwinden konnten. Die Jungen starben wegen Staupe, die Alten am gebrochenen Herz. Wir lernten die Hunden näher kennen und sahen, dass sie ohne Liebe nicht leben konnten und treuer als die Menschen waren.

Als die Anzahl der im Tierheim lebenden Tiere stieg, ließen wir neue Zwinger bauen. Weil wir es nicht ertragen konnten, dass sie in den Zwinger gefangenhalten wurden, versuchten wir mit ihnen jeden Tag Gassi zu gehen. Damit die Hunde in den hinteren Zwingern Auslaufmoeglichkeiten haben konnten, haben wir eine Fläche errichten lassen. Somit konnten wir sie Käfig für Käfig der Reihe nach freilassen. Wir konnten nur mit gutem Gewissen wieder nach Hause gehen, nachdem alle Tiere ihren Auslauf hatten.

Besonders in den Wurfmonaten stieg die Anzahl der Hunde, die vor der Tür ausgesetzt wurden. Es war unakzeptierbar, dass diese als Welpen vor der Tür ausgesetzten Hunde ihr ganzes Leben in den Käfigen verbringen sollten. Um die Anzahl der eingehenden Hunde zu reduzieren/verhindern, haben wir uns entschieden, die Hunde kastrieren zu lassen. Wir haben einen Veterinär eingestellt. Die kastrierten Hunde wurden geimpft und danach wieder an der gleichen Stellen, an dem wir ihn gefunden/mitgenommen hatten, zurueckgebracht. Diese Hunde vertrauten wir hauptsächlich den Bewohnern des Wohnviertels an. Zur Verbreitung unserer Kastrationsarbeiten und für die Sicherheit dieser Hunde führten wir mit den Bewohnern des Wohnviertels und mit dem Ortsvorsteher Versammlungen durch. Unsere Kastrationseintragungen wurden in den Aktivitätenberichten der Gross-Stadtverwaltung Istanbul aufgeführt.

Für den Erfolg der Kastrationsarbeiten musste die Vorstellung über die Straßenhunde geändert werden. Wir fingen an die Schulen zu besuchen und die Kinder über Tierliebe auszubilden.

Leider führten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Sariyer die Vernichtung der Hunde durch Vergiftung weiter; die waren grausam. Nachts verfolgten wir sie und fanden das Steinbergwerk, in dem sie die Hunde lebendig begruben. Daraufhin haben wir die Zeitungen informiert und die Zeitung Hürriyet hörte unsere Hilferufe. Dr. Nilgün Gedikoglu schrieb in ihrem Artikel über dieses Ereignis. Die Organisation Peta führte diese Nachricht in ihrer Web-Seite auf. Sonst tat sich nichts. Wir versuchten im Meer der Unempfindlichkeiten zu atmen.

Die Hunde, die als Welpen in das Tierheim aufgenommen wurden, hatten keinen eigenen Bereich, an dem sie hätten zurückgebracht werden könnten. Es war nicht akzeptierbar, dass sie ihr Leben in den Käfigen verbrachten. Somit haben wir begonnen, für sie eine Familie zu finden. Herren für die Hunde in der Türkei zu finden endete leider mit Enttäuschung. Als wir erfahren haben, dass die Hunde, für die wir ein zu Hause gefunden hatten, angekettet oder auf den Balkonen und in den Kellern gehalten wurden, erlebten wir eine große Enttäuschung. Viele der Hunde mussten wir zurückholen. Wir haben versucht Familien im Ausland zu finden; in EG,

wo die Tierrechte mit dem Gesetz in Schutz genommen war und die Menschen, von Tradition aus sich gewoehnt hatten, mit den Tieren zu leben. Ein Verein namens “Hunde in Not” aus Deutschland kam uns zur Hilfe. Sie haben alle Möglichkeiten genutzt um Familien für unsere Hunde zu finden und ihr ruhiges Leben aufgegeben, um für unsere Hunde ein glückliches zu Hause finden zu können. Von Hunden, für die wir Familien suchten, haben wir Bilder und Geschichten geschickt. Familien, die einen Hund haben wollten, wurden durch diesen Verein überprüft und sie legten kilometerweite Strecken zurück, um die Hunde in ihr neues zu Hause zu bringen. Wir korrespondierten mit den Familien der Hunde weiter. Vom jedem einzelnen Hund, der im Ausland ein neues Zuhause hatte, bekamen wir Aufnahmen bei deren gluecklichen Zuhause und das ermoeglichte,unsere Ermuedung zuvergessen und fuehlten uns sogar als belohnt.

Wir haben hunderte von behinderten und kranken Hunden behandeln lassen, die wir auf der Strasse gefunden hatten oder die vor unserer Tür ausgesetzt wurden. In Fällen, in denen die Ausstattung unserer Klinik im Tierheim nicht ausreichte, haben wir die Tiere in privaten Krankenhäusern behandeln lassen. In Fällen, in denen wir Schwierigkeiten hatten die Rechnungen der privaten Krankenhäuser zu bezahlen, half uns wieder der Verein “Hunde In Not” in Deutschland und unsere Freunde im Ausland, in dem sie die Behandlungskosten der behinderten Tiere übernahmen und der Privaten Tierkranhaeuser direkt bezahlten. V iele und bevorzugt die kranken und behinderten Hunde die Hilfe und Therapie brauchten, wurden von unseren ausländischen Tierschützern geholt und in guten Tierkliniken operiert. Es fanden sich dann immer liebevolle Familien die sie aufnahmen. Eine Chance, die sie hier niemals bekommen hätten.

Wenn es regnete, gab es Abwasser-Ueberschwemmungen in allen Gebaeuden, inklusiv der OP-Raum. Trotz aller unseren Anzeigen an die Gross-Stadtverwaltung, das Grubensystem fuer das Abwasser wurde nie repariert. Weil öfter der Strom im Tierheim ausfiel, wurden unsere Medikamente und Impfstoffe schlecht und wenn der Hydrofor nicht lief, hatten wir kein Wasser. “Hunde In Not” Deutschland hat uns einen Generator gespendet. Im Winter, wenn es schneite, die Strassen waren unpassierbar. Meistens mussten wir zu Fuss zum Tierheim und haben unsere Tiere nie alleine und einsam gelassen.

Als wir beim siebten Jahr anfingen, die Gross-Stadtverwaltung Istanbul ue bertrug die Kastrationsarbeit durch eine Ausschreibung einer privaten Firma über. Uns wurde mitgeteilt, dass von nun an im Tierheim Sariyer diese Firma t ä tig werden würde, dass nach einer kurzen Zeit das Tierheim nach Hasdal verlegt wird und unser Verein an dieser neuen Stelle nicht erwuenscht war.

Es war leicht, unsere Sachen zusammenzupacken. Wir konnten aber unsere Hunde nicht in ihren Käfigen verlassen. Wir hatten den Hunden versprochen. Somit haben wir uns an die Arbeit gemacht, für die letzten restlichen Tiere ein zu Hause zu finden.

Sechs Jahre lang haben wir aufopfernd und mit Liebe gearbeitet und wurden aggresiv angegriffen. Es war eine schmerzhafte Erfahrung, zu sehen, dass diese Aufopferung, um Leben zu retten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, für so viele Menschen unglaublich war. Menschen, die eine solche Aufopferung nur um ein Leben zu retten nicht verstanden haben, verspäteten sich auch nicht Verleumdungen über uns und die Tierschützer in Deutschland zu verbreiten. Sie haben mit unglaublichen Behauptungen und Beschuldigungen versucht, uns den Weg zu versperren. Waehrend diesen Jahren haben wir die „tierliebende“ Gemeinschaft kennengelernt. Wir haben gelernt, dass es überall wo es Menschen gibt, auch ein Machtkampf vorhanden ist.

Wenn wir auf diese ermüdenden und strapazierenden sechs Jahre zurückblicken, es stellt sich heraus, dass wir oft angegriffen und beleidigt wurden. Wir haben waehrend diesem Kampf die Tierschuetzerwelt naeher kennengelernt.

Nach sechs Jahren wurden wir Zeugen davon, dass der Begriff “Tierschützer” in der Türkei ein trauriges Chaos darstellt und durch Machtkampf der Vereine zum Verlieren verurteilt ist. Wir haben erlebt, dass es immer noch “Tierfreunde” gibt, die sich befriedigt fuehlen, wenn sie die Tiere in die Tierunterkünfte einsperren und die Tierheime verteidigen. Wir haben Leute kennengelernt, die anstatt dafür zu kämpfen, das Schicksal der Tiere zu ändern, am Internet sitzen und ausländische sowie lokale Nichtstaatliche Freiwillige Organisationen (NGO’s), die den Straßenhunden in der Türkei helfen wollen, durch Aktionen schlecht machen. Wir haben auch Menschen erlebt, die durch ihre Ausländerfeindlichkeit und Komplott-Paranoia den eigentlichen Kampf für die Tiere verhindern und durch falsche Zielsetzungen den Tieren schaden.

Wir haben erfahren, dass der Hass fuer manche Menschen ein Ausdrucksmittel war. Im Gegensatz dazu, war unser Ausdrucksmittel die Liebe.

Nach sechs Jahren haben wir erfahren, dass das Leben in Käfigen für die Hunde eine Qual ist. Wir haben auch gesehen, dass die einzige rationelle Lösung es ist, die Hunde nach der Kastration wieder auf der Strasse freizulassen. Wir haben festgestellt, dass es eine verbreitete Kampagne zur Bekanntmachung und Unterstützung der Ausbildungsaktivitäten erfordert, damit das Vorhaben erfolgreich werden kann.

Trotz all diesen Erlebnissen werden wir weiterhin den hilflosen Tieren zur Hilfe rennen, sie vor Quälereien schützen und dafür Arbeiten, das das Vorhaben “Kastrieren – Impfen – Leben lassen” erfolgreich wird.

Und am Ende der sechsten Jahre, wir bedanken uns an dieser Stelle an alle Tierschuetzer in der Türkei, in Deutschland, Holland und Oesterreich, die in uns geglaubt und uns in unserem Vorhaben unterstützt haben; und ganz besonders dem Vorsitzenden und der Mitgliedern des Vereins “Hunde In Not”; bei der lieben Marja und Martin Vanderstappen; der türkischen Meida-Angehoerigen, Journalisten, die durch ihre Berichte und Artikel unseren Kampf unterstuetzt haben; bei unseren Freunden, die uns zugestanden hatten, immer wenn wir Hilfe brauchten; unseren Familien, die uns verstanden hatten, warum wir mit denen immer weniger Zeit verbringen konnten, als sie es gerne haben moechten. Ohne alle die haetten wir diesen Erfolg nicht erlebt!

EHKD

Evsiz Hayvanlari ve Dogayi Koruma Dernegi

TSV für obdachlose Tiere und Umweltschutz

Bitte beachten Sie auch unsere Tierheim-Fotoshow: